Verein


Die Gründung



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Durch mündliche bzw. schriftliche Überlieferung ist uns bekannt, dass sich im Winter des Jahres 1891 auf Initiative des damaligen Lehrers von Tripsrath, Herrn Heinrich Erbel (Bild ), einige Männer zu einer Versammlung in der damaligen Wirtschaft Hutmacher (Ecke Annastraße/Hubertusstraße) einfanden. Durch Abgabe der Beitrittserklärungen gründeten sie den Musikverein. Es waren die Herren: Johann Breuer, Johann Phlippen, Gottfried Küppers, Jacob Hutmacher, Wilhelm Janes, Peter Büchers, Arnold Janes, Josef Kranz, Joseph Schlötels (Bild mitte), Johann Gerads, Matthias Görtz, Heinrich Schiffers, Josef Herfs und Aloys Roßkamp.

Heinrich Erbel




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Die Anfänge (1891-1914)




Der Verein gab sich in Anlehnung an das Patrozinium der gerade selbständig gewordenen Pfarre Tripsrath, den Namen "Musikverein St. Anna Tripsrath". Der damalige Pfarrer von Tripsrath, Herr Rektor Holzberg, war allerdings gegen die Gründung eines Musikvereins. Er meinte, ein Musikverein würde die Jugend verderben und hinter jedem Trompenstoß säße der Teufel. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch zu erklären, warum der Verein sich in seiner Gründungssatzung in Paragraph 1 unter anderem den Vereinszweck gab, von den künftigen Erträgen eine Kirchenorgel zu kaufen und diese der Kirche zu stiften. Gegen diesen uneigennützigen Zweck konnte auch der Pastor nichts haben.

Schon im Jahre 1898 konnte dann der jungen Pfarre Tripsrath die Orgel gestiftet werden. In der Schulchronik steht hierzu zu lesen: "Durch die anerkennenswerten Bemühungen des hiesigen Musikvereins "St. Anna", unterstützt durch die Opferwilligkeit einiger Pfarreingesessenen ist es gelungen, die hiesige Kirche in Kürze durch ein neues Werk verschönert zu sehen. Im Januar dieses Jahres wurde dem Orgelbauer Dautzenberg aus Linnich eine neue Orgel in Auftrag gegeben, welche am 31. Juli dem Patrozinium St. Anna zum ersten Male den Gottesdienst verherrlichen soll. Dieselbe repräsentiert einen Wert von 4550 Mark." Die Mittel zur Finanzierung dieses Instrumentes hatte der Verein in den paar Jahren seines Bestehens durch Wohlftätigkeitskonzerte zusammengespielt. Die Bedenken von Pfarrer Holzberg waren aber schon vorher verschwunden, als nämlich im Jahre 1893 zum erstenmal Lieder bei der Fronleichnamsprozession gespielt wurden. Am Schluß der Prozession sagte Pfr. Holzberg zu Lehrer Erbel: Heinrich, was war das schön. Damit war das Eis gebrochen und Pfarrer Holzberg wurde ein Freund des Vereins.Nach der Gründung fingen die Vereinsmitglieder nun an Noten zu üben. Erst ein halbes Jahr später bestellte man die Instrumente bei der Firma Schuster in Markneukirchen. Per Fuhrwerk wurden sie von der Bahn in Geilenkirchen abgeholt. Jedes Mitglied mußte sein Instrument selbst bezahlen. Jetzt konnten auch Tongriffe geübt und Töne geblasen werden.Bis zum ersten Auftritt, der Fronleichnamsprozession 1893, wurde zwei Jahre unermüdlich geprobt. Als Dirigent wird anfangs Johann Breuer genannt. Möglicherweise hat er aber den Verein nur wenig dirigiert. Denn als die ersten Auftritte begannen, war bereits Lehrer Erbel Dirigent des Musikvereins. Die Position eines Vorsitzenden wurde zunächst nicht besetzt. Erst ab 1911 hat der Verein einen Vorsitzenden. Es war der Dirigent, Lehrer Erbel, der gleichzeitig auch noch das Amt des Schriftführers bekleidete.

In der Gründerzeit diente die gute Stube, also das Wohnzimmer des Lehrer Erbel, als Lehr- und Probenraum. Wöchentlich einmal wurden Lieder geprobt. Es waren meist Kirchenlieder. Vor den Proben musste ein Vereinsmitglied den Ofen stochen kommen. Eine Zeit lang hat dies Arnold Janes gemacht. Die sogenannte Kalvaktorschaft wurde dann in der Generalversammlung des Musikvereins beschlossen. So ist zum Beispiel in der Niederschrift der Generalversammlung vom 14. Januar 1894 zu lesen: "Erklärte das Mitglied Arnold Janes sich bereit, die Kalvaktorschaft für die Wintermonate zu übernehmen. Hierfür wurde demselben seitens des Vereins eine Vergütung von 10 Pfg. von jedem Übungstage zuerkannt."

Spätestens ab 1905 wurde dann im "Übungslokal Pelzer" geprobt. Es handelt sich hierbei um das Wohnzimmer der Familie Peter-Josef Pelzer, dem Urgroßvater des langjährigen Vorsitzenden und heutigen Mitglieds Peter-Josef Pelzer. Dieses Zimmer war etwa 7 x 5 m = 35 qm groß und befand sich auf dem heutigen Grundstück Annastraße 88, Wohnhaus von Familie Heinrich Pelzer.

Auftritte ergaben sich in den Anfangsjahren bei Prozessionen, Kirmesfeierlichkeiten und Konzerten in Tripsrath und in den Nachbarorten. Es wurde aber nicht nur Musik gemacht, sondern auch noch Theater gespielt. Zu diesem Zweck besaß der Verein eine eigene Bühneneinrichtung. Man war somit in der Lage, das Publikum in hervorragender Weise zu unterhalten. Im Geilenkirchener Schützenhof trat man zum Beispiel Anfang letzten Jahrhunderts bei den jährlich stattfindenden Generalversammlungen der dortigen Feuerwehr regelmäßig mit Musik- und Theatervorführungen auf, was allseits großes Lob auch in der Presse einbrachte. Zu den Höhepunkten des Vereinslebens gehörten auch die Vereinsausflüge, die zusammen mit dem Kirchenchor und den Ehrenmitgliedern unternommen wurden, so zum Beispiel zur Erfttalsperre oder nach Wassenberg.

Einen schweren Schlag musste dann der Musikverein mitten in seiner vollen Blüte erleben, als Lehrer Erbel mit Verfügung der Königlichen Regierung zu Aachen vom 8. Oktober 1913 als Hauptlehrer nach Geilenkirchen versetzt wurde. Aber auch von hier aus vergaß er seinen Musikverein nicht, sondern stand ihm, bis seine Kräfte erlahmten, mit Rat und Tat zur Seite.




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Die Zeit der Weltkriege (1914-1945)




Im l. Weltkrieg ruhte das Vereinsleben, und am 16. Juli 1918 verstarb Herr Lehrer Erbel. Der Verein stand nun vollends verwaist an der Bahre seines Gründers. Die Folgen schienen anfangs fast unüberbrückbar. Neue Kräfte mußten herangebildet und viel Mut und Ausdauer aufgebracht werden, um den Verein wieder neu zu beleben und auf die alte Höhe zu bringen. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug 11, die der Ehrenmitglieder 34. Nach dem Kriege nahm der Verein mit voller Begeisterung seine Tätigkeit wieder auf und sah sein Erstes darin, zur Verschönerung der Fronleichnamsprozession beizutragen, wodurch der Verein sich den Dank der Gemeinde erwarb.

Bei Aufnahme der Tätigkeit nach dem Kriege hatte man noch einen Bestand von 33,99 Mark in der Vereinskasse. Schnell fanden die Mitglieder wieder zum gewohnten Vereinsleben mit den vielen Auftritten bei kirchlichen und weltlichen Anlässen zurück. Unter der Leitung des ältesten Mitgliedes, Josef Schlötels (Bild), wurde wieder regelmäßig geprobt. Die Proben fanden ab den 20er Jahren in der Wirtschaft Derichs statt.

Bis in sein hohes Alter hinein führte Josef Schlötels den Dirigentenstab. Voll Begeisterung war ihm von seinem Wohnort Niederheid kein Weg zu weit, kein Wetter zu schlecht, um nach Tripsrath zur Probe zu kommen. Er hielt den Verein zusammen. Ab 1912 sparte der Musikverein Geld für die Anschaffung einer Vereinsfahne. 1923 war es dann soweit. Der Musikverein erhielt eine Vereinsfahne mit dem Bildnis der hl. Mutter Anna. Diese Fahne wurde am St. Anna-Fest desselben Jahres geweiht. Im Jahre 1919 wurde dann Lehrer Johann Bartz Vorsitzender des Musikvereins. Inflation, Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus beherrschten ab den 20er Jahren das politische und wirtschaftliche Leben, und als 1939 der 2. Weltkrieg entbrannte, kam das Vereinsleben erneut zum Erliegen.

 Joseph Schlötels




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Die Nachkriegszeit (1945-1991)




Der Krieg riss große Lücken in unsere Reihen. Sechs Mitglieder starben für ihr Vaterland. Zwei wurden als vermisst gemeldet. An ein Wiederaufleben des Vereins war vorläufig nicht zu denken. Die Instrumente waren verschwunden und auch von dem reichen Notenschatz war kein Blatt mehr vorhanden.

Doch am 15. Oktober 1947 nahmen neun Vereinsmitglieder die Tätigkeit wieder auf. Es waren die Herren: Joseph Schlötels, Franz Pelzer, Andreas Janes, Josef Nolden, Wilhelm Peters, Franz Nolden, Franz Esser, Matthias Derichs und Josef Busch. Die Instrumente mussten zum größten Teil aus eigenen Mitteln der Vereinsmitglieder neu angeschafft werden. Dies geschah durch die damals übliche Kompensation mit Lebensmitteln. Durch tatkräftige Unterstützung der ganzen Pfarrgemeinde gelang dies auch. So kostete allein ein Tenorhorn 40 Pfund weißes Mehl, 50 Pfund Kartoffeln, 6 Pfund Speck, 2 Pfund Butter und noch andere Wurst- und Fleischwaren. Man hätte dies aber nicht machen können, wenn die Tripsrather Bürger nicht geholfen hätten. Es wurde alle 14 Tage gesammelt, und so konnte das mitgebrachte Instrument erworben werden. Dafür gebührt auch heute noch den Freunden und Wohltätern einen herzlichen Dank.

Durch Bemühungen des Vorstandes des Musikvereins gelang es im Jahre 1948, Herrn Lehrer Paul Boja (Bild)als Nachfolger für den aus Altersgründen ausgeschiedenen Joseph Schlötels als Dirigent zu gewinnen. Der Verein kam jetzt nach den schweren Kriegsjahren wieder auf eine lobenswerte Höhe. Besonders war Lehrer Boja darauf bedacht, dass die Vorträge sauber gespielt wurden. Mit der Geige spielte er den Musikern bei den Proben die Stücke vor. Er war es auch, der erstmals in der langen Vereinsgeschichte Klarinetten in den Klangkörper aufnahm.
Die Dirigentenschaft von Herrn Boja hat aber nur wenige Jahre gedauert. Vonseiten der Schulbehörde machte man ihm immer Vorhaltungen. Seine Tätigkeit als Dirigent, der auch bei Aufzügen auf der Straße immer voranschritt, sei eines Schullehrers nicht würdig. Obwohl er darauf hinwies, dass er doch auch Jugendarbeit leiste, blieb der Schulrat bei seiner Meinung.

Sein erstes öffentliches Auftreten nach dem Kriege erlebte der Verein anlässlich der Primiz des Neupriesters Josef Derichs, der in 1947 in Geilenkirchen seine Primiz feierte.

Lehrer Boja

Ende der 40er Jahre kam unter der Leitung von Willi Peters ein Trommler- und Pfeiferkorps (Bild) zustande, das dem Musikverein angeschlossen war. Folgende Männer gehörten ihm an: Peter Derichs, Willi Hillemacher, Willi Ramacher, Willi Pelzer, Willi Janes, Josef Wacker, Paul Dohmen, Heinz Verspeek, Peter Wagner, Erich Hutmacher, Hubert Lauter, Heinz Jütten und als Tambourmajor Toni Ohlenforst.

Das Trommler- und Pfeiferkorps des Musikvereins

Anfang der 50er Jahre wollten die Mitglieder des Trommler- und Pfeiferkorps selbständig werden. Man ließ ihnen die Freiheit, und bald hatte das Korps sich aufgelöst. Einige seiner Mitglieder verblieben aber im Musikverein und erlernten ein anderes Instrument.

Fronleichnams-Prozession 1950

Nachfolger von Lehrer Boja wurde in 1953 der überaus begabte Musikus Josef Benders (Bild) aus Waldenrath. Bei Wind und Wetter, Schnee und Eis erschien er pünktlich zu jeder Probe. Josef Benders hat den Verein zu einem in der Umgebung bekannten und beliebten Verein gemacht. Er spielte mehrere Instrumente, darunter Piccolo-Flöte und Trompete. Wenn es bei den Proben mal nicht so klappte, warf er seine Piccolo-Flöte aus Jux in Richtung der Falschbläser. Der Verein musste dann für eine neue Flöte sorgen.

Josef Benders

Nachdem Josef Benders 1972 den Taktstock aus der Hand gelegt hatte, trat Martin Winkels (Bild) seine Nachfolge an. Wegen seiner herausragenden musikalischen Begabung wurde ihm diese Tätigkeit vom Vorstand angeboten. Zu seinen großen Verdiensten gehört nicht nur, dass er die Dirigententätigkeit in all den Jahren völlig unentgeltlich leistete und ständiges Vorstandsmitgied war, sondern auch, dass er den größten Teil der Jugendarbeit für den Verein übernommen hat. Von den heutigen Vereinsmitgliedern ist kaum jemand, der nicht von Martin Winkels ganz oder teilweise ausgebildet worden wäre. Auf diese Weise legte er sich selbst den Grundstock für die weitere Vereinsarbeit als Dirigent. Unter seiner Leitung nahm der Verein erstmals an Wertungsspielen des Volksmusikerbundes teil. In der Mittelstufe konnte hierbei regelmäßig ein 1. Rang erreicht werden.

Martin Winkels

Nach dem 2. Weltkrieg fanden die Proben zunächst im alten Feuerwehrgerätehaus an der Annastraße neben der Schule statt. Im Wechsel mussten die Vereinsmitglieder im Winter wieder - wie früher - vor den Proben Brennmaterial mitbringen und den Ofen stochen, damit der Raum ausreichend beheizt war. Wenige Jahre später, im Jahre 1953, wechselte man zunächst für kurze Zeit in die Gaststätte Wacker und dann in den Schankraum der Gaststatte Pelzer. Von der Theke aus wurde dirigiert. Die Musiker saßen um die kleinen Tische herum, auf denen die Noten standen. Vereinzelt, z.B. vor Konzerten, wurde auch auf dem Saal, der zur Gaststätte gehörte geprobt. Im Jahre 1971 schloss das langjährige Vereins- und Probenlokal des Musikvereins seine Pforten. Der Musikverein hatte praktisch kein "zu Hause" mehr. Der glückliche Umstand, daß das Schulgebäude ab 1967 leer stand, kam dem Verein sehr gelegen. In Verhandlungen mit dem Pfarrer, den Kommunalbehörden und kirchlichen Behörden in Aachen konnte eine Nutzung als Probenraum erreicht werden. Der Verein zog also in neue Räume und konnte so ohne Verzögerung die Vereinsarbeit fortsetzen.

Etwa 70 Jahre lang hat der Verein bei seinen Auftritten keine Uniformen getragen. Aus dem Jahre 1910 ist aber bekannt, dass zumindest Mützen und Abzeichen vorhanden waren. Erst im Jahr 1962 traf der Verein den Entschluß, für die Mitglieder Uniformen anzuschaffen. Der Dirigent Josef Benders nahm die Angelegenheit in die Hände, und eine Firma aus Düren fertigte die Uniformen an. In kurzer Zeit marschierten die Mitglieder in blauer Uniform. Zu dieser Anschaffung haben dem Verein viele Freunde und Gönner bereitwillig unter die Arme gegriffen. Zum 80. Stiftungsfest im Jahre 1971 wurden dann die alten und inzwischen verschlissenen blauen Uniformen durch neue, nämlich dunkelgraue Uniformen im Militärschnitt, ersetzt. Bei einer Haussammlung hierfür kamen 4.239 DM zusammen. Außerdem gingen weitere Spenden ein. Insgesamt musste der Verein ca. 14.000 DM aufbringen. Durch eine Unzahl von Auftritten wurde Mark um Mark "eingespielt". Im Jahr 1970 trat der Verein 68 mal und 1971, 80 mal öffentlich auf. Eine stattliche Summe für die Uniformen sammelte für den Verein sein Freund und Förderer Franz Fohn aus Niederheid. Endlich war es soweit. Die Uniformen wurden von der Firma Schintz aus Aachen geliefert. Zum 90jährigen Jubiläum des Musikvereins in 1981 wurden wieder neue Uniformen angeschafft. Auch hier waren große Anstrengungen erforderlich, um die hohen Kosten tragen zu können. Beim Festzug zur Anna-Kirmes konnte die Dorfgemeinschaft die schönen schwarz-grünen Uniformen sehen. Geliefert hatte sie die Firma Kogel aus Aachen.

Aufzug 1953 ----Vereinsfoto zum Jubiläum 1991

Nach dem 2. Weltkrieg bestand der Vorstand zunächst nur aus drei Personen, dem Dirigenten, dem Kassierer und dem Schriftführer. Die Position des Vorsitzenden blieb wieder unbesetzt. In dieser Zeit war die dominierende Persönlichkeit der Kassierer Franz Pelzer. Er hatte de facto den Posten des Vorsitzenden inne. Als er 1967 ausschied, ernannte ihn der Verein zum Ehrenvorsitzenden.
Erst in den 50er Jahren wird dann mit Matthias Derichs wieder ein Mitglied zum Vorsitzenden gewählt. Über Jahrzehnte hinweg war Matthias Derichs auch Schriftführer seines Vereines. Als er 1965 im Alter von 75 Jahren ausschied, ernannte ihn die Generalversammlung zum Ehrenpräsidenten des Musikvereins St. Anna, dessen Wohl und Wehe ihm zeit seines Lebens am Herzen lag. Matthias Derichs war ein langes Leben vergönnt. Zu seinen Geburtstagen brachte ihm der Musikverein regelmäßig ein Ständchen. Er starb am 12. Februar 1988 im Alter von 100 Jahren. Zu seinem Nachfolger wurde Willi Peters aus Hochheid gewählt. Leider erkrankte er bald und konnte so das Amt nur kurze Zeit ausüben. Bereits 1968 musste er aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. Danach wurde Heinrich van Sloun zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er übte das Amt bis 1977 aus. Der Verein wählte anschließend Josef Kohnen zum Vorsitzenden. Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde bei der Vorstandswahl im Jahre 1981 eine Frau in den Vorstand des Musikvereins berufen. Gabriele Boomers übernahm das Amt des Notenwarts, oder besser gesagt, der Notenwartin. Ab 1984 war Peter-Josef Pelzer für 19 Jahre Vorsitzender des Musikvereins. Ihm folgte ab 2003 bis 2009 Peter Hackemüller der wiederum übergab sein Amt an Wolfgang Nolden.

Nachwuchs 1978

In den Nachkriegsjahren nahm das Vereinsleben wieder einen erfreulichen Verlauf. Viele Auftritte und die stetige Steigerung der Mitgliederzahl zeugen hiervon. Großen Wert wird insbesondere auf die Weiterentwicklung der musikalischen Leistungsfähigkeit gelegt. Die Teilnahme an Konzerten und Musikwettbewerben ist inszwischen zu einem wichtigen Aufgabengebiet geworden. Im Jahre 1991 kann der Verein auf die stärkste Mitgliederzahl in seiner 10Ojährigen Vereinsgeschichte zurückblicken. Die 63 Aktiven waren fast 10 Prozent der Bewohner von Tripsrath, Hochheid und Rischden.

Besonders stolz ist der Musikverein auch darauf, dass mit Konrad Boja, Michael Boja, Josef van Sloun und Karl-Heinz Vogt nicht weniger als vier Priester aus seinen Reihen hervorgegangen sind. Der Verein hat in all den Jahren seines Bestehens immer uneigennützig dem Dorf zur Verfügung gestanden, sowohl bei allen kirchlichen als auch bei weltlichen Festen zur Ehre Gottes und zur Erbauung und Freude der Dorfbewohner.




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Kirmes in der Dreidörfergemeinschaft




Wann in unserer Dreidörfergemeinschaft erstmals eine Kirmes stattfand, ist nicht bekannt. Aber bereits im Jahre 1878 gab es eine Sommerkirmes zu Rischden und gleichzeitig eine Sommerkirmes zu Tripsrath. Veranstalter war hierbei jeweils der heute nicht mehr bestehende Junggesellenverein. An allen Tagen wurde zum Tanz eingeladen. Die Kirmes in Rischden fand beim Wirt Hermann-Josef Derichs und die Kirmes in Tripsrath beim Wirt Heinrich-Josef Hutmacher statt. Auch ist uns eine Sommerkirmes zu Rischden aus dem Jahre 1882 und Sommerkirmes zu Tripsrath aus den Jahren 1885 und 1887 bekannt. Auch hier traten wieder die Junggesellen als Veranstalter in Erscheinung.

Im Jahre 1893 wurde erstmals durch den zwei Jahre zuvor gegründeten Musikverein St. Anna im Juli ein Stiftungsfest gefeiert. Ab 1895 bis zum Jahre 1904 war der Musikverein alleiniger Veranstalter aller Kirmesfeierlichkeiten in Tripsrath. Neben dem St. Anna-Fest im Juli, fand bereits vorher, jeweils zwei Wochen nach Pfingsten, die Sommerkirmes statt, die auch als Frühkirmes bezeichnet wurde. Im November war dann noch die Martini-Kirmes.

In den Räumen der Wirtschaft Hutmacher wurden zu diesen Festen Konzerte mit Theatereinlagen gegeben. Etwa in den Jahren 1904/1905 wurde die Wirtschaft Hutmacher mit ihrem Saalanbau geschlossen. Nunmehr stand für solche Feierlichkeiten im Ort kein geeigneter Raum mehr zur Verfügung. Dennoch wurde weiterhin dreimal im Jahr Kirmes gefeiert.

Ab 1905 ist als Veranstalter der Frühkirmes und der Martini-Kirmes der ebenfalls heute nicht mehr bestehende "Kamaradschaftliche Verein Einigkeit Tripsrath" bekannt.

Ab den 20er Jahren veranstalteten die Vereinigten Vereine Tripsraths diese beiden Feste. Auch zu dieser Zeit wurden in Tripsrath schon Tanzzelte aufgebaut. So fand zum Beispiel die Tripsrather Sommerkirmes im Juni 1926 auf einem "Riesenzelte in der Glückauf-Straße" statt. Ein Zelt besaß zu dieser Zeit der Wirt Leo Corsten aus Rischden. Dieses bestand aus einem Tanzboden und mehrere 100 Meter Zelttuch. Ihm gehörte auch das dazu notwendige Mobiliar. Das waren 40 Bänke und 20 Tische. Rätselhaft und unbekannt gebieben ist jedoch dem Chronisten, wo die "Glückauf-Straße" war.

Aus dem Jahr 1921 ist uns noch eine Maikirmes zu Rischden bekannt, die die "Jugendvereinigung Tripsrath-Rischden" veranstaltete.

Im Jahre 1934 wird die neu gegründete "St. Anna Schützenbruderschaft" als Veranstalter der Frühkirmes genannt.

Nach dem 2. Weltkrieg veranstaltet zunächst wiederum der Musikverein alle drei Kirmesfeste im Dorf. Später treten der Sportverein und die Feuerwehr als gemeinsame Veranstalter der Früh- und Spätkirmes in Erscheinung. Bis 1970 ist dann nur noch der Sportverein Veranstalter dieser Kirmesfeierlichkeiten. Daneben hatte natürlich der Musikverein seit 1893 seine Anna-Kirmes im Juli beibehalten.

Ab 1971 wird in Tripsrath nur noch eine Kirmes, nämlich die Anna-Kirmes gefeiert. Als im Jahre 1970 die Gaststätte Pelzer ihre Pforten und damit auch den Saal, der inzwischen baufällig geworden war und abgerissen werden musste, schloss, waren weitere Kirmesveranstaltungen für die Vereine zu risikoreich geworden.




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Die St.-Anna-Kirmes




Als Ursprung unserer heutigen, weit über die Grenzen der Stadt Geilenkirchen bekannten und allseits beliebten "Tripsrather Anna-Kirmes", sind die Stiftungsfeste des Musikvereins zu sehen. Das erste Stiftungsfest fand bereits im Jahre 1893 statt und bestand aus einem Aufzug und einem Konzert auf der Festwiese Laumen. Auf diesem Grundstück hat später Josef Wolff gebaut (Annastr. 55). In den Anfangsjahren wurde nur an einem Tag, dem Sonntag nach dem 26. Juli gefeiert. Der Ausschank bei diesen Festen wurde vom Musikverein meistbietend verpachtet. Es fand dazu eine öffentliche Versammlung statt, bei der sich Interessenten bewerben konnten. Die Einladungen erfolgten durch Zeitungsanzeigen.

Damit nahm die "Anna-Kirmes" mit den bei jung und alt so beliebten Wiesenfesten ihren Anfang. In 1913 wurde das Wiesenkonzert zum erstenmal auf der Wiese von Sebastian Donders gehalten (heute Grundstück Louis, Einfahrt zwischen Schaps und Louis diente als Zugang). Das Stiftungsfest des Jahres 1920 und einige folgende bezeichnete man auch als "Blumentag".

Viele Musik- und Gesangvereine gaben bei diesen Wiesenfesten Konzerte. Der Erlös war meistens "zum Besten der hiesigen Kirche" bestimmt, wurde aber auch zur Anschaffung einer Vereinsfahne für den Kirchenchor (1914) oder zur Anschaffung eines Gedenkzeichens für die im Kriege gefallenen Soldaten (1920, 1928) verwandt. Verbunden waren diese Stiftungsfeste immer mit einer kirchlichen Feier, nämlich einem Hochamt (Levitenamt) und in späteren Jahren mit einer Sakramentsprozession. Nachdem im Jahre 1928 das Kriegerdenkmal gegenüber der Kirche errichtet war, gehörte zum festen Bestandteil der Festlichkeiten auch eine Gefallenenehrung. Dies ist inzwischen zur Tradition bei der Anna-Kirmes geworden. Ab Ende der 20er Jahre wurden nach den Wiesenkonzerten auch noch Tanzveranstaltungen abgehalten. Diese fanden meistens auf dem Saal Jansen statt. In 1932 zog erstmals auch samstags ein Festzug durch den Ort. Eine Tanzveranstaltung gab es danach aber noch nicht.

Nach dem 2. Weltkrieg war zunächst kein Saal mehr vorhanden, denn dieser war durch Kriegseinwirkung völlig zerstört. Einen Wiederaufbau wollte der Wirt Hermann Pelzer nicht wagen. Der Musikverein konnte ihn doch noch zu einem Wiederaufbau überreden und beteiligte sich mit einem Zuschuss in Höhe von 5.000 DM an den Baukosten. Als Gegenleistung gestattete der Wirt die kostenlose Benutzung bei allen Kirmesfeierlichkeiten und sonstigen Dorfveranstaltungen. Diese Regelung betraf nicht nur die Veranstaltungen des Musikvereins, sondern auch die der übrigen Vereine. Vorher musste der Saal angemietet werden. Im Jahre 1949 wurde der Saal wieder eröffnet, sodas die Tanzveranstaltungen bei der Kirmes dort abgehalten werden konnten.

Aufzug Mitte der 60er Jahre

Von nun an wurde auch montags ein Festzug durchgeführt, dem sich eine Tanzveranstaltung anschloss. Auch eine Messe und die Gefallenenehrung fanden an diesem Tag statt. In späteren Jahren gab es bei der Anna-Kirmes auch Aufzüge oder Platzkonzerte in Hochheid und Rischden. In den 60er Jahren war die Festwiese bei Esser. In 1967 wurde bei der Anna-Kirmes zum erstenmal samstags ein Tanzabend veranstaltet.

Bei der Anna-Kirmes 1971, gleichzeitig dem 8Ojährigen Jubiläum des Musikvereins, wurde zum erstenmal nach dem 2. Weltkrieg wieder ein Zelt gelegt. Der Saal Pelzer konnte ja wegen Baufälligkeit nicht mehr benutzt werden. Die Festwiese befand sich am Uetterather Weg, zwischen Haus Peters und Lemmens. Dort wurden fortan bis 1989 alle Kirmesveranstaltungen gefeiert. Beim Heimatabend traten die aus dem Gebirgsort Jachenau stammenden Jodler Anni Tiefenbrunner und Alois Danner mit Gitarre und Zither auf. In 1972 ging der Verein ganz neue Wege. Denn die Kirmes fand erstmals unter Mitwirkung einer bayrischen Tanzgruppe aus Jachenau und einer original Tiroler Tanzkapelle, dem Tannstein-Sextett, statt. Für Tripsrath etwas Ungewöhnliches. Die Tanzkapelle wurde wegen der für bisherige Verhältnisse ernormen Gage nur für samstags verpflichtet, der dann als "Bayernabend" bezeichnet wurde.

Zur Anna-Kirmes 1973 gelang es dem Musikverein erstmals das Mehrnstein-Sextett aus Brixlegg in Tirol zu verpflichten. Anders als im Vorjahr, spielte die Tanzkapelle nicht nur samstags, sondern über 25 Stunden an allen drei Kirmestagen zum Tanz auf. Das Fest wurde ein großer Erfolg, den keiner vorausgesagt hatte. Auch im Jubiläumsjahr 1991 kommen die Mehrnsteiner-Musikanten noch zur Anna-Kirmes nach Tripsrath. In diesen zwei Jahrzehnten sind sie zu einem festen Bestandteil geworden und haben sich hier viele Freunde geschaffen.

Inzwischen ist es dem Vorstand des Musikvereins mit Unterstützung der örtlichen Kommunalpolitiker gelungen, einen eigenen Zeltplatz zu bekommen. Das jahrelange Provisorium am Uetterather Weg, das den Anforderungen nicht mehr genügte, hat damit ausgedient. Der neue Zeltplatz, gelegen zwischen dem neuem Feuerwehrgerätehaus und dem Sportplatz, hat einen eigenen Wasser-, Strom- und Kanalanschluß. Die Stadt Geilenkirchen stellte das Gelände zur Verfügung und übernahm auch die Kosten für den Ausbau und die Pflege des Platzes.

So hat sich die Tripsrather Anna-Kirmes - ausgehend von dem Wiesenfest 1893 - bis heute zu einem über die Grenzen der Stadt Geilenkirchen hinaus bekannten und bedeutenden kulturellen und geselligen Ereignis entwickelt. Über all die Jahre ist es dem Veranstalter aber gelungen, den ursprünglichen Charakter zu erhalten, nämlich das kirchliche Pfarrpatrozinium und das weltliche Stiftungsfest des Musikvereins miteinander zu verbinden.



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